Donnerstag, 14. August 2008

Hautnah (2004) / ****

Mike Nichols Film Hautnah, basierend auf dem preisgekrönten Theaterstück von Patrick Marber, der auch das Drehbuch schrieb, ist ein erfrischend ehrlicher Film über die Beziehungen von vier Menschen. Aber in ihren Liebesbeziehungen sind diese alles andere als ehrlich zueinander, sie belügen sich ständig und der Zuschauer fragt sich mehrmals, ob er dem Gesagten glauben darf oder nicht.

Erfrischen ist der Film, weil er nicht oberflächlich ist. Ehrlich, weil er die Netze von Lügen und Schuld offensichtlich macht, die wir wohl alle im Laufe unseres Lebens spinnen.

Nichols hat bei vielen guten Filmen Regie geführt, wovon wiederum einige vom Thema Liebe handeln. So auch Hautnah. Die vier Hauptdarsteller sind Jude Law, Julia Roberts, Natalie Portman und Clive Owen. Sie alle spielen ihre Charaktere äußerst glaubhaft und setzen die anspruchsvollen Dialoge aus der Feder von Patrick Marber gekonnt um.

Zu Beginn des Films treffen sich Dan (Jude Law) und Alice (Natalie Portman) auf einer Londoner Straße und verlieben sich scheinbar auf den ersten Blick. Dan schreibt Traueranzeigen für eine Zeitung, möchte aber Buchautor werden, und Alice gibt vor, eine Stripperin aus den USA zu sein, die auf der Flucht vor einer früheren Beziehung die Staaten verlassen hat.

Einige Zeit vergeht mit dem folgenden ersten Zeitsprung. Dan hat tatsächlich ein Buch geschrieben, das veröffentlicht wird. Er lässt sich für das Cover von der Amerikanerin Anna (Julia Roberts) fotografieren, doch schon bei dieser ersten Begegnung funkt es zwischen ihnen und sie küssen sich. Anna, die bereits eine Ehe hinter sich hat, sagt, dass sie sich nicht mit Dan treffen möchte. Dieser bettelt sie an und wir wissen, dass sich Anna in Wirklichkeit zu ihm hingezogen fühlt, aber sie bleibt augenscheinlich hart und wehrt Dans Annäherung ab.

Es vergeht wieder einige Zeit, während der Anna den Dermatologen Larry kennenlernt (Clive Owen). Dan und Alice sind zusammen, und Anna und Larry sind es ebenfalls. Aber die Frauen und Männer fühlen sich zu dem Partner des jeweils Anderen hingezogen und betrügen sich gegenseitig. Zwischen den Männern entbrennt so ein Kampf, bei dem sie um beide Frauen rpcksichtslos konkurrieren. Dies jedoch nicht um der Liebe willen, sondern um den anderen zu besiegen.

Die Liebe ist in Wirklichkeit, obwohl die Charaktere sich vom Gegenteil zu überzeugen versuchen, mittlerweile verflogen, wenn sie denn jemals da war. Denn es wird so viel gelogen und betrogen, sich versöhnt und die Liebe gestanden, dass man wirklich verwirrt sein kann und sich letzten Endes fragt, ob überhaupt jemals wirkliche Liebe zwischen diesen Personen bestanden hat oder ob es nur Lust war.

Nach weiteren Zeitsprüngen bleibt ein Ende, bei dem einer leer ausgeht und zwei zusammenleben, wobei fraglich ist, ob sie eigentlich glücklich sind. (Um nicht zu viel zu verraten, nenne ich an dieser Stelle nicht die Namen.)

Alice (Portman), durchlebt im Laufe des Films den größten Wandel: Zuletzt muss der Zuschauer feststellen, dass er ihr von allen am wenigsten glauben durfte.

Bei all diesem Beziehungs-Hin-und-Her wird der Film niemals langweilig oder driftet ins Klischee ab. Denn Mike Nichols beschreibt in oftmals depressiv getönten Bildern nur oberflächlich die Liebesbeziehungen vierer Menschen. In Wirklichkeit geht es auch um die Frage, ob sich diese Menschen untereinander verstehen und ob sie sich überhaupt selbst verstehen. Auch ergründet Nichols, was Liebe ist und wann sie beginnt. Im Film scheint es sie anfangs zu geben, aber sie scheint schnell zu verfliegen und am Ende mag sie tatsächlich existieren, die Liebe zwischen den Hauptcharakteren, nur leider zu spät.

So endet der Film mit vier Menschen, die sich über eine lange Zeit hinweg begleiten, nur um uns und sich als Fremde in Erinnerung zu bleiben. Eigentlich hätte man es ahnen können, waren Alices erste Worte zu Dan doch "Hallo, Fremder."

Hautnah ist zwar unterhaltsam und stets interessant auf der Charakter-Ebene, nur er ist bestimmt nicht erheiternd. London passt als Kulisse wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge: Es regnet und der trübe Himmel beschreibt die Stimmung in jeder Szene dieses unheilverheißenden Reigens.

An den vier Schauspielern, die ihre Rollen sehr gut spielen, bleibt nichts auszusetzen. Auch an der Regie finde ich kaum etwas, das mir besonders negativ ins Auge gefallen wäre. Höchstens die zahlreichen, unvermittelten Zeitsprünge bis zum letzten Viertel des Films sind verwirrend. Hier hätten Nichols und Marber vielleicht ein besseres Instrument finden können, um ihre Handlung zu präsentieren. Davon abgesehen, ein äußerst empfehlenswerter Film!

WERTUNG: 4/5

Freitag, 6. Juni 2008

Marley und ich - Teaser Trailer

Marley ist ein Hund. Einige würden sagen, der "schlechteste" Hund der Welt, denn er gehorcht gar nicht - aber er ist süß. Das ist, ganz kurz zusammengefasst, das Grundgerüst für Marley und ich (engl.: Marley & Me), eine Komödie die auf einem Buch von John Grogan basiert.

In Deutschland soll Marley und ich im Januar 2009 in die Kinos kommen, in den USA schon in der Weihnachtszeit 2008. Noch ist der Film nicht abgedreht, den ersten Teaser-Trailer gibt's aber schon:

Burn After Reading - Erster Trailer

Der neue Film der Coen-Brüder, Burn After Reading, verspricht nach dem düsteren No Country For Old Men ein typisch komödiantisches Coen-Werk zu werden. Als Darsteller sind unter anderem George Clooney, Brad Pitt, Tilda Swinton und John Malkovich zu sehen.

Anvisierter Release-Termin ist September 2008. Hier der Trailer:

Ridley Scott dreht wieder Science Fiction-Film

Lange hat sich Ridley Scott mit diesem Projekt Zeit gelassen, dachte er doch schon seit über 20 Jahren an dessen Umsetzung. Ridley Scott wird endlich wieder einen Science Fiction-Film drehen, und zwar möchte er sich an einer neuen Verfilmung des Klassikers Brave New World von Aldous Huxley versuchen.

Brave New World gehört zweifelsohne zu den meistverfilmten Science Fiction-Vorlagen, so dass sich Scott an anderen Adaptionen wird messen müssen. Zudem befürchten einige, dass der Regisseur seine besten Zeiten hinter sich haben könnte. Ich aber bin zuversichtlich, dass Ridley Scott einen guten Film abliefern wird. Sein atmosphärisches Science Fiction-Epos Blade Runner gehört für mich zu den besten Sci-Fi-Filmen aller Zeiten und Huxleys Geschichte ist eine erstklassige Vorlage. Zwar hat Ridley Scott in letzter Zeit eher seichtere Film gedreht, diese fand ich jedoch durchaus unterhaltsam und dass sie keine Meisterwerke waren, würde ich nicht als Schwäche des Regisseurs deuten, sondern als Erholungsphase.

Ridley Scott hat ein großes Talent, das er hoffentlich für dieses Projekt nutzen wird. Details sind noch keine bekannt, ich werde sie aber natürlich sofort hier posten, wenn ich mehr erfahre!

Oliver Stones W Teaser Poster

Oliver Stone, der schon in der Vergangenheit regelmäßig politische Filme drehte, hat sich einer Dokumentation über den noch amtierenden Präsidenten der USA gewidmet: Er dreht einen Film über George W. Bush. Der Titel, passend, ist "W".

Viel ist noch nicht bekannt, aber es lässt sich erahnen, dass Bush nicht gut wegkommen wird und dass der Film Michael Moore sehr gefallen dürfte. Hier schon einmal vorab das erste Teaser Poster zu W:

Sonntag, 18. Mai 2008

Indiana Jones in Cannes

Ich habe heute schon die ganze Zeit ein kribbelndes Gefühl, denn heute ist die offizielle Premiere vom vierten Teil der Indiana Jones-Reihe in Cannes. Das Screening ist die erste Aufführung des neuen Spielberg-Films.

Wie Steven Spielberg es so oft tut, macht er auch um diesen Blockbuster ein großes Geheimnis. In Zeiten von Internet-Berichterstattungen, Fan-Berichten, Online-Marketingkampagnen und Videos auf YouTube ist dies schon fast eine veralterte Form des Marketings, aber bisher hat der Regisseur damit immer richtig gelegen. So hatte er zum Beispiel im Vorfeld zu Jurassic Park kaum Bilder der Dinosaurier gezeigt, um die Spannung beim Zuschauer aufrecht zu erhalten und sein Interesse zu wecken.

Doch das große Geheimnis um Indiana Jones wird heute endlich aufgelöst werden, wenn der Abenteuer-Film den anspruchsvollen Kritikern in Cannes vorgeführt wird. Andere Hollywood-Blockbuster wurden hier in der Vergangenheit vom Publikum verschmäht, The Da Vinci Code war sogar lauthals ausgelacht worden. Nun hat dieser trotzdem mehrere hundert Millionen eingespielt und Rekorde gebrochen, aber man fragt sich dennoch, weshalb Spielberg das Risiko von schlechter Kritik überhaupt eingehen möchte. Das Interesse am vierten Teil des Franchises ist bereits sehr hoch, weshalb er einen Cannes-Besuch nicht für die Vermarktung des Filmes nutzen müsste.

Ich vertraue da einfach einmal auf den Instinkt von Steven Spielberg und George Lucas, der die Idee zum Film lieferte und ihn produzierte. Und ich warte natürlich auf die ersten Berichte, die vielleicht heute noch an die Öffentlichkeit sickern werden.

Donnerstag, 15. Mai 2008

TV-Tipp für Freitag, 16.05.2008: Bubba Ho-Tep

Wenn ihr Freitag Nacht noch etwas Zeit für etwas Fernsehunterhaltung habt, so habe ich für euch einen Geheimtipp. Arte zeigt nämlich um 23:20 den Film Bubba Ho-Tep mit Bruce Campbell und Ossie Davis in den Hauptrollen.

In diesem amüsanten B-Movie treibt eine 3000 Jahre alte Mumie ihr Unwesen und saugt den Senioren in einem abgelegenen Altersheim die Seelen aus, und zwar aus ihrem Allerwertesten. Um die Groteske perfekt zu machen, ist Elvis Presley gar nicht tot, sondern einer der Senioren im Altersheim - und er hat Krebs an seinem Penis. Eine Paraderolle für Bruce Campbell. Sein guter Freund, gespielt von Ossie Davis, hält sich selbst für John F. Kennedy.

Was hier schräg klingt, das ist es auch. Aber es macht wahnsinnig Spaß und es ist immer wieder gut zu sehen, was man auch mit einem kleinen Budget und guten Ideen so alles hinbekommen kann.

Der von Brian Tyler komponierte Soundtrack ist übrigens spitze.