Freitag, 8. Februar 2008

Inland Empire (2006) / ***

David Lynch macht Filme, die wie kaum andere offen sind für Interpretationen. Seine Filme sind immer unkonventionell und experimentell. Lynch ist ein erfolgreicher Regisseur und eigentlich schon lange angekommen in Hollywood, aber er will sich mit dem Studiosystem und dem Glanz Hollywoods nicht anfreunden. Dies machte er bereits in früheren Filmen deutlich, wie zum Beispiel in Mulholland Drive. Und er tut es wieder mit Inland Empire:

In einer der stärksten Metaphern des Films stürzt die Schauspielerin Nikki Grace (Laura Dern) blutend auf die Sterne des Walk of Fame. In ihrem Bauch klafft eine Wunde, verursacht durch einen Schraubenzieher, und das Blut tropft auf die Sterne der Glammerwelt, bis es eine dunkle Lache bildet.

Inland Empire ist ein schwer zugänglicher Film. Man muss ihn interpretieren und für sich selbst entdecken, weil es keine Handlung im eigentlichen Sinne gibt. Zumindest keine, die Spannung erzeugt. Der Film erzählt letzten Endes vom inneren Königreich des Menschen, und dieses kann nur der Zuschauer selbst für sich ergründen.

Lynchs Film hat eine Länge von fast drei Stunden. Damit ist er zu lang geraten. Trotz der gekonnt inszenierten Szenen, der sehr guten Schauspielleistung und des unverkennbaren Lynch-Stils hat der Film in weiten Strecken Längen, die es dem Zuschauer schwer machen, bei der Sache zu bleiben. Um es klarer zu sagen: Es kommt Langeweile auf und der wirre Erzählstil trägt nicht gerade dazu bei, diese zu vertreiben. Nun entsprachen Lynchs Werke noch nie der Kino-Norm, aber mit Inland Empire geht er für meinen Geschmack zu weit. Hätte er den Film um eine Stunde kürzer gemacht, hätte ich Inland Empire wohl als Ganzes genießen können und als kleines Meisterwerk bezeichnen können, aber so, wie der Film vorliegt, waren es nur einzelne Szenen, die mir besonders Spaß machten und in Erinnerung bleiben werden.

Positiv hervorzuheben ist die Schauspielleistung von Laura Dern. Nicht ohne Grund wollte David Lynch, dass sie für den Oscar nominiert wird, aber wegen der hohen Kosten einer Oscar-Kampagne (mehrere Millionen US-Dollar, wie Lynch erfuhr) konnten sie sich das nicht leisten und Lynch griff auf innovativere Wege zurück, um auf seine Hauptdarstellerin aufmerksam zu machen: Er setzte sich zusammen mit einer Kuh auf eine Verkehrsinsel in Hollywood. Das Ziel, die Oscar-Nominierung, hat er damit nicht erreichen können, aber doch auf den Film aufmerksam gemacht und wieder einmal bewiesen, was für ein kreativer Geist in seinem Kopf steckt.

Es ist schwer den Film zu bewerten. Schließlich ist er gewollt gegen den Strom erschaffen worden und funktioniert in weiten Teilen auch als visuelles Drama. Inland Empire ist selbst eine Metapher für das Kino, für das Sehen, Hören und Fühlen. Aber leider langweilt er an einigen Stellen, worunter das Sehvergnügen am Ende leidet. Trotzdem ist insgesamt ein akzeptabler Experimentalfilm entstanden (Lynch drehte zum ersten Mal komplett mit digitaler Technik), den sich jeder Lynch-Fan gerne einmal ansehen kann.

WERTUNG: 3/5

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